Gelesen: Quasikristalle

P1000167Als „Quasikristalle“ von Eva Menasse Anfang des Jahres erschien, habe ich das Buch erst einmal lange ignoriert. Denn das Cover ließ seichteste Frauenliteratur erwarten und ich machte mir nicht einmal die Mühe, den Klappentext durchzulesen. Wie gut, dass meine Mutter Buchhändlerin und ebenfalls passionierte Leseratte ist, und ich auf ihr Urteil ich in Sachen Lesestoff vertraue. So habe ich „Quasikristalle“ auf ihren Tipp hin doch gelesen. Zum Glück!In dem Roman geht es um die Lebensgeschichte von Xane Molin, die der Leser vom Teenie-Alter bis zum Großmuttersein begleitet. Klingt jetzt erst mal nicht so spannend. Die Story selber ist es auch eigentlich gar nicht. Das Besondere an dem Buch ist, dass in jedem Kapitel unterschiedliche Personen die Erzählperspektive übernehmen und sich so aus ganz verschiedenen Blickwinkeln viele einzelne Episoden, Aspekte und beschriebene Charaktereigenschaften zu einem Ganzen fügen. Während manche Figuren – wie etwa die beste Schulfreundin oder der Sohn – Xane sehr nahe stehen, handelt es sich bei anderen um lockere Bekanntschaften oder distanzierte Kontakte. Man erlebt die Protagonistin als Freundin, Geliebte, Mieterin, Mutter, Patientin oder Chefin, findet einige Charakterzüge immer wieder, andere entwickeln sich oder sind überraschend. Nur einmal – in der Mitte des Buches – erzählt Xane selber in der Ich-Perspektive.

Was mir besonders gut gefallen hat, waren die authentisch wirkenden Erzähler. Nicht nur in Bezug auf die jeweilige Sprache sondern auch auf persönliche Einstellungen und die Beziehung zu Xane, so dass ein und der selbe Charakterzug manchmal ganz unterschiedlich bewertet wird. So wie im echten Leben eben auch. Nach jedem Kapitel war ich gespannt, wer als nächstes zu Wort und welche Details über die Protagonistin zu Tage kommen würden. Am Ende hatte ich das Gefühl, diese Xane Molin wirklich gut zu kennen.

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