7 Tage in Havanna, Kuba-Trip Part 1

P1000850Naja, zumindest insgesamt: Havanna war mit sechs Tagen Aufenthalt unser Ausgangs- und mit einem weiteren Tag auch der Endpunkt der Reise. Die Impressionen sind so vielfältig, dass sie sich schwer mit ein paar Sätzen zusammenfassen lassen.  An einen meiner ersten Eindrücke kann ich mich allerdings noch sehr gut erinnern: dunkel. Nach Einbruch der Nacht (die sehr schell kommt, Äquatornähe und so), ist man selbst in vielen Straßen mitten im Zentrum mehr oder weniger in Dunkelheit gehüllt, denn die Straßenbeleuchtung ist sehr spärlich. Und oft flackernd. Und hin und wieder auch komplett ausfallend. Ich war in der einen oder anderen Situation auf jeden Fall froh, eine Taschenlampe eingepackt zu haben. Am ersten Abend, an dem wir im Stadtteil Vedado auf der Suche nach dem Malecón (der berühmten Promenade) unterwegs waren, musste ich mir immer und immer wieder sagen, dass Kuba wirklich sicher sein soll: Denn die Kulisse mit halb verfallenen Häusern im Dunkeln, in deren Eingängen vereinzelte Gestalten herumstanden und einen ziemlich intensiv musterten, ließen einen etwas anderes suggerieren. Sobald man aber lächelte oder nach dem Weg fragte, wurde zurück gelächelt und weitergeholfen, so zumindest meine Erfahrung.

P1000830Das Stadtbild Havannas lässt sich teils mit „morbidem Charme“ beschreiben, an anderen Ecken ist dafür allerdings eine ordentliche Portion Euphemismus nötig – „verfallen“ oder „zerstört“ trifft es da besser. Tatsächlich sehen einige Straßen so aus, als habe wenige Tage zuvor noch ein Krieg dort gewütet. In Kombination damit, dass in der ganzen Stadt wirklich überall Oldtimer aus den 50ern herumfahren, dass man immer wieder auf sozialistische „Prachtbauten“ stößt und fast jegliche Neonbeleuchtung fehlt, entsteht irgendwie der Eindruck, sich in einer anderen, nicht näher definierten Zeit zu bewegen. Und genau das macht den merkwürdigen Zauber aus, der Havanna umgibt.

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Sightseeing und Ausflüge
Das eigentliche Highlight Havannas war für mich die besondere Kulisse und das Sich-durch-die Straßen treiben lassen. Museen – wie zum Beispiel das Revolutionsmuseum – haben wir gar nicht besucht, weil es draußen so schön war. Ein paar Sehenswürdigkeiten haben mir besonders gefallen (ohne einen ansatzweisen Anspruch auf Vollständigkeit).

Dazu gehört natürlich der Klassiker – der Malecón, die 5 Kilometer lange, ehemals prachtvolle Promenade der Stadt. An deren Mauer brechen sich die Wellen an manchen Tagen so stark, dass das Wasser über den Bürgersteig bis auf die Straße spritzt und ahnungslose Spaziergänger erschreckt (ja, mich auch). Abends treffen sich hier verliebte Paare, Männer versuchen ihr Glück beim Angeln und Musiker spielen für die Touristen (und ein paar CUC) kubanische Klischee-Songs. Auf jeden Fall mindestens zwei Besuche (einmal tagsüber, einmal abends) wert!

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Das Capitol war bis zur Revolution Regierungssitz und sieht dem in Washington D.C. ziemlich ähnlich, was beim ersten Anblick in der ansonsten typisch kubanischen Umgebung kurz zu einem „Finde-den-Fehler-Moment“ führen kann.  Besonders schön sind das Capitol und die Umgebung nachts, denn hier wird ausnahmsweise mal ordentlich beleuchtet.

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Direkt hinter dem Gebäude liegt die Zigarren-Fabrik Partagás, in der sich auch ein Laden für die guten Stücke befindet. Auch wenn wir das mit den Besichtigungszeiten irgendwie nicht hinbekommen haben – allein der Laden ist einen Besuch wert und mit ein wenig Glück kann man einer Zigarren-Herstellerin (es gibt bestimmt einen professionellen Ausdruck dafür, den ich nicht kenne) über die Schulter schauen. Die Verkäufer sind zuvorkommend und überraschend ehrlich, was die Beratung betrifft – zum Beispiel wurde mir empfohlen, als Souvenir lieber die kleinen, günstigen Cohibas zu kaufen, da die großen dicken (und teureren) für die meisten Einsteiger viel zu stark seien. Apropos Preise: Ich habe mich vorher noch nie mit Zigarrenpreisen beschäftigt aber die Dinger kosten hier wohl nur halb so viel wie außerhalb Kubas. Es gibt auch noch einen angeschlossenen VIP-Raum, in dem man seine Einkäufe gleich verrauchen kann (auch wenn man die günstigen Zigarren kauft) – sehr stilvoll im britischen Club-Stil eingerichtet und aufgrund einer ziemlich hochgedrehten Klimaanlage auch für Nichtraucher wie mich geeignet. Übrigens steht immer irgendwer vor dem Laden, der einem weismachen will, dass Partagás geschlossen hat und – wenn man sich davon nicht beirren lässt – behauptet, die Preise seien überteuert. Und klar, natürlich hat er viel günstigere Zigarren, die er schwarz verkaufen würde – ist dann allerdings nicht das Original und man weiß nicht, was man bekommt.

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Einen wortwörtlich anderen Blick auf Havanna bekommt man von der Festung El Morro aus, die auf einer Landzunge gegenüber der Stadt liegt und so einen Blick auf die Silhouette ermöglicht. Am einfachsten erreicht man die Festung vom Zentrum aus mit dem Taxi durch den Tunnel in knapp 10 Minuten – über Land geht auch, dauert aber ein Vielfaches länger. Wir hatten den Zeitpunkt abgepasst, dass wir am späten Nachmittag auf dem Burggeländer herumspazieren konnten  – um dann den Sonnenuntergang mit Blick auf die Skyline Havannas zu genießen.

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Eine Ruheoase in der Stadt ist der Parque Almendares. In urwaldähnlicher Umgebung kann man am Rio Almendares entlang spazieren und den Schatten und die Ruhe genießen. Leider ist der Park stellenweise ziemlich zugemüllt, den Blick also lieber auf Höhe der riesigen Bäume halten. Etwas weiter versteckt im Park hatten wir eine verlassene Anlage entdeckt, von der wir nicht herausfinden konnten, was das war oder ist – irgendwas in Richtung „Indiana Jones meets Disney Land“.

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Ausflug mit dem Tren Hershey nach Guanabo
So faszinierend Havanna auch ist, so laut, chaotisch und anstrengend kann die Stadt nach einer Weile auch wirken. Wie gut, dass die Playas del Este nicht weit sind. Wir haben einen Tag am wunderschönen und ziemlich leeren Strand in Guanabo verbracht. Die charmanteste Art, dort hin zu kommen, ist sicherlich die Fahrt mit dem Tren Hershey, einer historischen Eisenbahn von 1917, die aber noch ganz regulär als Transportmittel im Betrieb ist und von vielen Kubanern genutzt wird. Mit offenen Fenstern und auf Holzbänken natürlich, so wie 1917 halt.

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Vom Bahnhof Casablanca in Havanna sind wir für umgerechnet ca. 20 Cent Richtung Mantanzas bis zum Bahnhof Guanabo gefahren. „Bahnhof“ ist dabei ziemlich übertrieben, es handelte sich eher um ein kleines Häuschen in the middle of nowhere.

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Wir sind dann erst mal zur nächsten Hauptstraße gegangen, haben eine Bushaltestelle gefunden und sind auf gut Glück einfach in den nächsten Bus gestiegen, der dort hielt. Ein paar Stationen weiter (ich weiß, nicht sehr präzise, ich glaube es waren zwei Stops) sah es nach Meer aus und wir sind wieder ausgestiegen und zum Strand gelaufen. Zurück ging es abends dann mit dem Taxi für ca. 20 CUC.

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Übernachtung

Cartacuba, Vedado
Die ersten Nächte haben wir im Cartacuba im etwas ruhigeren Stadtteil Vedado verbracht. Eine wunderschöne Villa aus den zwanziger Jahren, die – im Gegensatz zu den meisten anderen Häusern in Kuba – sehr gut erhalten und liebevoll restauriert ist. Die Gastgeberin Yanila hat als Fremdenführerin gearbeitet, spricht fließend Englisch und Französisch und kann viele gute Tipps zu Havanna und Kuba im Allgemeinen geben. Frühstück und Abendessen werden an einem großen Tisch im Innenhof serviert (Frühstück übrigens so lange bis man wach ist und Hunger hat), an dem sich alle Gäste des Hauses treffen. Und so saßen wir mit anderen Reisenden aus Kanada, Frankreich, Russland und Venezuela zusammen und haben Eindrücke ausgetauscht. Gerade für den Einstieg sehr zu empfehlen, weil die Umgebung nicht ganz so trubelig ist wie das Zentrum. P1010137

Casa Cuba, Havana Vieja
Die letzten beiden Nächte haben wir im Casa Cuba mitten in Havana Vieja bei Laetitia verbracht. Von der Altbauwohnung  – ich meine, sie liegt im vierten oder fünften Stock, auf jeden Fall ganz weit oben – hat man einen grandiosen Blick auf das Capitol. Laetitia und ihre beiden erwachsenen Kinder, die bei der Ankunft vor Ort warten, sind wahnsinnig nett – und zum Glück war das Spanisch nach zweieinhalb Wochen wieder präsent genug, um sich gut zu unterhalten (englisch spricht sie nicht). Durch die zentrale Lage ist die Unterkunft super, um das Zentrum zu erkunden.

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Beide Casas könnt ihr über Kubahostal reservieren lassen

Essen und Trinken
Im Cartacuba war das Essen so lecker (und die Gastgeber so nett), dass wir meistens dort gegessen haben und am letzten Abend trotz strömenden Regens noch mal von Havana Vieja nach Vedado gefahren sind. Trotzdem zwei Tipps:

Hotel Raquel
Falls ihr von dem Trubel Havanna eine Pause braucht: Auf der großen Dachterrasse des im Kolonialstil eingerichteten Hotel Raquel kann man bei einem Kaffee und Blick über die Stadt wunderbar entspannen und auf Schaukel-Bänken die Seele baumeln (oder schaukeln) lassen. Um nach oben zu gelangen, fragt an der Bar nach der Dachterrasse, dann wird euch einer der Kellner nach oben begleiten. Von einem der  Angestellten bekamen wir den Tipp, dass man in dem kleinen Pavillon, in den genau ein Tisch passt, ein privates Dinner genießen kann. Ein privates Dinner in luxuriösem Ambiente muss ja furchtbar teuer sein, dachte ich – aber Pustekuchen: Die Hauptgerichte kosten zwischen 8-12 CUC und das Hühnchen in Zitronensoße, das ich hatte, war köstlich. Allerdings solltet ihr darauf eingestellt sein, dass nicht alles, was auf der Speisekarte steht, auch wirklich vorrätig ist. Beim zweiten Besuch haben wir den Kellner nach der vierten Beilage, die wir vergeblich bestellen wollten, einfach gebeten zu sagen, was es denn gäbe – es war genau eine, nämlich Reis. Aber wenn man da flexibel ist, kann ich diesen Ort auf jeden Fall empfehlen. Und es scheint ein echter Geheimtipp zu sein, denn selbst Touristen, die wir später auf der Reise trafen und die im Hotel übernachtet hatten, kannten den Dachterrassen-Pavillon nicht.

Calle Amargura, No. 103 esq. a San Ignacio, Havana Vieja, http://www.hotelraquel-cuba.com

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El Floridita
Diese Bar ist ein absolutes Muss in Havanna – finde ich zumindest. Sie wurde regelmäßig von Ernest Hemingway frequentiert und auch heute noch ist er präsent: als bronzene Statue an der Bar. Angeblich wurde hier der Daiquiri erfunden und von Hemingway besonders gern getrunken.  Der wird neben vielen anderen Cocktails und einem großen Zigarren-Menü auch immer noch serviert (also der Drink jetzt, nicht Hemingway) und ist wie überall in Kuba sehr, sehr stark. Entsprechend der ganzen Geschichten, die sich um den Laden ranken, ist das Publikum fast ausschließlich touristisch, die Atmosphäre aber trotzdem angenehm. Man fühlt sich glatt ein wenig ins Kuba vergangener Zeiten zurück versetzt (was auf dem Foto nicht rüberkommt, ich weiß, aber das ist auch tagsüber aufgenommen worden). Nehmt aber unbedingt etwas zum Überziehen oder einen Schal mit – die Klimaanlage arbeitet auf Hochtouren und verursacht winterliche Temperaturen mitten im heißen Havanna.

Obispo No.557 esq. a Monserrate, Habana Vieja, http://www.floridita-cuba.com

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Bildnachweis: Fotos  7,  17, 18, 19 – Michel Jahn, restliche Fotos – eigene Bilder

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