Stille Tage in Soroa – Kuba, Part 2

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Und weiter geht es mit dem Kuba-Reisebericht und der zweiten Station des Trips. Nach zweieinhalb Stunden Fahrt mit einem alten Lada kamen wir in dem kleinen Örtchen Soroa an. Soroa als Dorf zu bezeichnen, wäre maßlos übertrieben, eigentlich handelt es sich um eine Landstraße mit einem Ortseingangs- und einem Ortsausgangsschild, zwischen denen es ein paar Casas Particulares und ein Hotel gibt.  Entsprechend ländlich war auch unser Casa – ein Bungalow mitten auf dem Bauernhof. Drei Nächte hatten wir dort eingeplant und während der ersten Minuten fragte ich mich – wieso noch mal?? Bei intensivem Schaukelstuhl-Schaukeln auf der eigenen Veranda meinte ich mich daran zu erinnern, dass bei der Planung Begriffe wie „Entschleunigung“ und „Mal so richtig runterkommen“ und „Kontrast zum lauten Havanna“ gefallen waren. Und vor allem letzteres traf definitiv zu, ich fand Soroa auf den ersten Blick sehr, sehr, sehr ruhig. Auf den zweiten und dritten auch noch, aber es gab dennoch etwas zu unternehmen und vor allem ist die Landschaft um Soroa wunderschön.

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Dafür, dass der Ort so winzig ist, gibt es immerhin drei Highlights: Einen Orchideen-Garten, einen Wasserfall (den Salto de Soroa) mit Bademöglichkeit und ein paar Berge, die einen tollen Ausblick versprachen. Nach dem ersten „Oje-ist-das-ruhig-hier“-Schock entschlossen wir uns, erst mal den Orchideen-Garten zu besuchen. Der liegt auf einem Hügel und beherbergt alle möglichen Formen von Orchideen, wie der Name schon vermuten lässt. Vor allem bietet der Garten einen sehr schönen Blick auf die Landschaft. Gleichzeitig mit uns hielt ein Reisebus an und spuckte eine beige-khakigrün-gekleidete Studiosus-Gruppe aus, die ganz hin und weg von den ganzen Pflanzen war. Und so bekamen wir auch ein wenig von dem Loriot-esk genauen und begeisterten Vortrag des Reiseleiters mit („Und das da!! Das sind Luftwurzeln! Und wenn diese Wurzeln die Erde erreichen, dann wurzeln sie sich so richtig ein!!“ Seitdem muss ich regelmäßig an Wurzeln denken, die es sich genüsslich im Boden gemütlich machen. Fragt nicht.). Mein Fazit: Der Orchideen-Garten war ganz nett und mit 3 CUC Eintritt auch nicht teuer, ist aber halt ein Orchideen-Garten und eher was für Studiosus-Reisende.P1010172

Da das Klima in Soroa deutlich heißer, schwüler und windstiller war als in Havanna, waren wir nach dem Orchideen-Garten umso begeisterter von der Vorstellung auf eine Abkühlung im Salto de Soroa. Dafür zahlt man 3 CUC Eintritt und läuft erst mal ein paar Meter durch einen dicht bewaldeten Park. Danach hat man eine Erfrischung definitiv nötig. Der Salto de Soroa stürzt 20 Meter in ein Wasserbecken, in dem man baden bzw. planschen kann. An einigen tieferen Stellen auch schwimmen. Es ist allerdings nicht so einfach, ins Wasser bzw. durch das Becken zum Wasserfall zu kommen: Denn die Steine und der Untergrund sind WAHNSINNIG GLITSCHIG!  Aber wenn man kein Problem damit hat, auf möglichst kreative Weise über verschiedene Untergründe zu flutschen, dann kann man sich in dem kühlen Wasser ganz wunderbar erfrischen. Sehr entspannend ist es auf jeden Fall, sich danach in der Sonne trocknen zu lassen und dem Wasserfall-Rauschen zu lauschen (poetisch, nicht wahr?!).P1010141

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Der totale Höhepunkt in Soroa war für mich einer im wortwörtlichen Sinne: Nämlich ein Ausritt auf den „Mirador de Soroa“, die höchste Stelle der Berge. Vermittelt hatte uns den Kontakt zu dem Pferdebesitzer unsere Casa-Gastgeberin, ich denke aber, dass prinzipiell jedes Casa entsprechende Leute kennt (bzw. dieselben entsprechenden Leute, so viele gibt dort ja nun nicht…). Ich hatte noch nie zuvor auf einem Pferd gesessen (abgesehen von diesen Pony-Reit-Karussels in meiner Kindheit, aber das sind ja Ponys), also gab es erst mal Reitunterricht auf kubanisch: Auf´s Pferd setzen, Zügel in die Hand nehmen, erklärt bekommen, dass man nach links ziehen muss, wenn man nach links will, nach rechts, wenn man nach rechts will und schnell und kurz nach hinten, wenn man stoppen möchte. Und dann ging es im flotten Trab los, erst an ein paar weiteren Bauernhöfen vorbei, dann zwei Kilometer hoch auf den Berg durch eine superschöne Wald-Landschaft. Das letzte Stück des Weges mussten wir zu Fuß zurück legen, weil es aus Treppen bestand. Und dann lag uns Kuba zu Füßen. Ein Teil zumindest. Der Ausblick war einfach Atem beraubend und glücklicherweise hatten wir den Ausflug am späten Nachmittag begonnen, so dass wir den Sonnenuntergang anschauen konnten. Dementsprechend ging es in der Dämmerung und ziemlich steil und holprig zurück. Insgesamt dauerte der Ausflug vier Stunden – für gerade mal 9 CUC pro Person. Mein Allerwertester tat danach zwei Tage lang so weh, dass ich kaum sitzen konnte. Trotzdem unbedingt zu empfehlen!

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P1010202Aus den drei Nächten hatten wir kurzerhand dann übrigens zwei gemacht. Meiner Meinung nach ist Soroa auf jeden Fall einen Abstecher wert, zwei Übernachtungen und ein kompletter sowie ein halber Tag reichen aber völlig aus. Es sei denn man ist seeeehr auf entschleunigen aus….

Bildnachweis: Foto 2 – Michel Jahn,  übrige Fotos – eigene Bilder

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4 Gedanken zu “Stille Tage in Soroa – Kuba, Part 2

  1. Klingt nach einem super schönen Zwischenstop! Mich würde interessieren, wie ihr nach Soroa gekommen seid (Lada = Taxi?) und danach weiter gereist sind. Die Viazul- Busse halten nämlich nicht, soweit ich das bisher herausfinden konnte. Vielen lieben Dank schonmal!!

    • Hallo liebe Lisa,
      genau, der Lada war ein Taxi. Ein Taxi particular, um genau zu sein, was streng genommen nicht legal ist (für den Fahrer, nicht für den Gast), die Kubaner aber gar nicht stört. Ähnlich wie bei den Casa Particulares stellen Privatleute ihre Autos und Fahrdienste gegen einen Festpreis zur Verfügung – meiner Erfahrung nach die flexibelste Möglichkeit von A nach B zu kommen und dazu recht günstig. An die Fahrer sind wir immer über die Casa Besitzer gekommen, die jemanden kannten, der jemanden kannte, der ein Auto hat. Typisch kubanisch halt ;-).
      Hoffe, das hilft dir weiter – viel Spaß bei der Reiseplanung!
      Liebe Grüße
      Verena

      • Hallo Verena,
        wow super! Vielen lieben Dank für deine schnelle Rückmeldung! Das klingt wirklich super und zudem sehr praktisch, wenn sich das über die casas organisieren lässt!
        Ich denke, dann werden wir das auch so versuchen 🙂
        Freue mich – auch dank deiner spannenden Erzählungen – schon riesig!
        Liebe Grüße, Lisa

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