Gelesen: Fünf Kopeken

P1010693„Meine Mutter war sehr hässlich. Alles andere hätte mein Großvater ihr nie erlaubt.“ – mal ehrlich: Ein Buch, das so beginnt, muss einfach toll sein! Und so stand der Debüt-Roman von Sarah Stricker „Fünf Kopeken“ auf meinem Weihnachtswunschzettel.  Da ich im letzten Jahr offensichtlich sehr artig gewesen bin, lag es dann auch prompt auf dem Gabentisch (mit einigen anderen inzwischen gelesenen Büchern, über die ich hier schon längst schreiben wollte…). Der Roman ist Frauenbiografie, Familien-Chronik und Mutter-Tochter-Geschichte zugleich: Die Hauptperson „Meine Mutter“ – die auch im gesamten Roman so genannt wird – liegt mit noch nicht einmal fünfzig Jahren im Sterben und erzählt ihrer einzigen Tochter in aller Ehrlichkeit ihre Lebensgeschichte. Als Kind einer überängstlichen Mutter und eines sehr ambitionierten Vaters, wächst sie in der Provinz auf und macht ihre optischen Defizite mit ihrer Hochbegabung wett – und zwar egal in welcher Hinsicht: Ob Sport, höhere Mathematik, oder das Führen des elterlichen Bekleidungsgeschäftes neben der Schule, das Mädchen kann nicht nur alles, sie ist auch in allem die Beste, was ihr Vater in jeder Hinsicht und mit großem Ehrgeiz fördert. Hauptbestandteil ihres Lebens ist es, die väterlichen Pläne zu erfüllen oder zu übertreffen und perfekt zu funktionieren. Vorsichtige Versuche, sich abzunabeln und eigene Entscheidungen zu treffen, scheitern. Als der Vater etwa beschließt, dass die Familie nach der Wende nach Berlin zu ziehen hat, um dort vom Aufschwung zu profitieren, wechselt „meine Mutter“ also nach kurzem Protest den Studienort und kommt mit.

Einen einzigen Bereich allerdings gibt es, in dem sie völlig talentfrei ist: Die Liebe. Als Spätzünder in Beziehungsfragen wird sie von der ersten großen Verliebtheit völlig überwältigt und stürzt sich in eine haarsträubend grauenvolle Affaire. Diese läuft nicht ganz so (okay: gar nicht so) wie erhofft, aber da die Protagonistin immer auf Ehrgeiz und Funktionieren getrimmt wurde, lässt sie einfach nicht locker und verbeißt sich in die Geschichte. Dabei verhält sie sich teilweise so furchtbar selbsterniedrigend, dass ich mich ein paar Mal so fremdschämen musste, dass es schwer fiel, die nächste Seite umzublättern. Weitergelesen habe ich natürlich trotzdem, denn das Buch ist so, wie die ersten Sätze erhoffen lassen: toll! Witzig, ironisch und sehr persönlich geschrieben, erfährt man nicht nur alles über die Mutter der Erzählerin sondern bekommt auch einiges von der Zeit um die Wende in Berlin mit. Der Roman hat mich so gepackt, dass ich die rund 500 Seiten von Heilig Abend bis zum 2. Weihnachtsfeiertag verschlungen habe. Ein richtiger Schmöker also, der wirklich lesenswert ist!

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3 Gedanken zu “Gelesen: Fünf Kopeken

  1. Das Buch liegt bei mir auch auf einem großen Stapel der zu Weihnachten geschenkten noch zu lesenden Lektüre. Sobald ich kann, werde ich „Fünf Kopeken“ nach dieser Besprechung als erstes Buch lesen!!

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