Gelesen: Zu viel Glück

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Als Alice Munro im letzten Jahr der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde, war ich neugierig auf eines ihrer Werke und entschloss mich für den Erzählband „Zu viel Glück“.  Das Buch umfasst insgesamt zehn Kurzgeschichten und gleich die Erste ist ziemlich heftig – es geht um eine junge Frau, deren Mann die gemeinsamen Kinder getötet hat. Von „Zu viel Glück“ kann auch in den meisten der anderen Geschichten nicht wirklich die Rede sein. Viele der Erzählungen sind traurig oder melancholisch, oft nachdenklich und manchmal wird es auch sehr, sehr seltsam, wenn zum Beispiel eine Studentin mit dem alternden Liebhaber ihrer Mitbewohnerin zum Dinner verabredet ist und widerstandslos akzeptiert, dass sie dabei nackt zu sein hat.

Die Geschichten und einzelnen Protagonisten sind recht unterschiedlich, eine Gemeinsamkeit ist aber, dass es oft unerwartete Wendungen in der Handlung gibt – unter anderem deshalb hat es beim Lesen so viel Spaß gemacht, sich von der jeweils nächsten Erzählung überraschen zu lassen. Was mir gut gefallen hat, ist Munros klarer Sprachstil und der Blick für kleine Details. Nur eine Ausnahme gab es: Die letzte Geschichte – ausgerechnet die titelgebende – fand ich ziemlich langatmig. Zudem hat mich irritiert, dass sie als einzige nicht im 20. sondern im 19. Jahrhundert und nicht in Kanada sondern in Europa spielt. Auch wenn das Buch ja kein Roman ist, wurde man so zum Schluss noch mal aus dem im weitesten Sinne gewohnten „Setting“ gerissen. Eigentlich sind Kurzgeschichten sonst ja nicht so mein Ding, aber bei „Zu viel Glück“ habe ich gern eine Ausnahme gemacht.

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