Richtig oder falsch? 5 Klischees über Moskau im Test

Reisebericht MoskauAuch wenn Moskau gar nicht weit von Deutschland entfernt ist, zu dem typischen Standard-Städtetrip-Repertoire gehört es dann ja irgendwie nicht. Ich hatte wenig Menschen im Bekanntenkreis, die schon mal dort waren und mir aus erster Hand Tipps geben konnten und habe mit vielen gesprochen, die eine Reise nach Moskau für eine ziemlich merkwürdige Aktion hielten. Ich muss daher zugeben, dass sich ein Großteil meiner Erwartungen auf Klischees gestützt hat. Hier die fünf verbreitetsten, die ich vor Ort dem Praxis-Test unterzogen habe, und die für zukünftige Moskau-Reisende vielleicht ganz hilfreich sein können:

Moskau ist voll von sechs-spurigen Straßen und man sollte sie auf keinen Fall jenseits von Ampeln überqueren
Zweimal Zustimmung. Die Riesenstraßen mit superviel Verkehr sind überall in der Innenstadt zu finden. Und während es einige Großstädte gibt, in denen man mit genug Dreistigkeit und Mut unbeschadet eine mehrspurige Straße überqueren kann, indem man einfach losläuft, ist das in Moskau eine ganz blöde Idee. Ich habe es nicht ausprobiert, aber die Autos halten wohl nicht für bescheuerte Fußgänger. Daher gibt es überall Unterführungen, für die man hin und wieder auch mal einen ordentlichen Umweg in Kauf nehmen muss. Aber besser, als als Pfannkuchen nach Hause zu fliegen.

Moskau ist teuer
Habe ich irgendwo geschrieben, Paris sei teuer? Im Vergleich zu Moskau ist es günstig! Naja, teilweise zumindest: Für´s Kaffee-Trinken, Essen und Ausgehen muss man tiefer in die Tasche greifen als fast überall sonst –  selbst Kleinigkeiten zum Essen in Cafés kosten schnell mal 10 Euro und mehr. Und wenn man in etwas nettere Supermärkte geht, wird es auch recht teuer. Relativ normal fand ich hingegen den Eintritt in die Tretjakow-Galerie mit umgerechnet 9 Euro. Und richtig billig ist es, mit der Metro zu fahren, eine Fahrt kostet umgerechnet ca. 60 Cent, davon kann man in Hamburg nur träumen…

Moskau ist gefährlich
Egal, wem ich erzählt hatte, dass ich einen Trip nach Moskau plante, einer der ersten Kommentare war nahezu immer: „Aber das ist doch so furchtbar gefährlich“. Und von russischen Bekannten wurde mir empfohlen, doch lieber nach St. Petersburg zu reisen. Das sei schöner und vor allem sicherer. Irgendwann hatte ich das Gefühl, an den unsichersten Ort der Welt zu reisen. Letztendlich ist es wohl so, dass Moskau im Zentrum – und da sind die meisten für Touristen interessanten Sehenswürdigkeiten – nicht unsicherer ist als andere Metropolen in Europa oder Nordamerika auch. Wurde mir auf jeden Fall (von dort lebenden Westeuropäern) berichtet und ich kann das – zumindest, was die gefühlte Sicherheit betrifft – bestätigen. Das größte Risiko ist vermutlich, beklaut oder beim ampellosen unvorsichtigen Überqueren von sechsspurigen Straßen überfahren zu werden. In weiter außerhalb gelegenen Bezirken mag das anders aussehen. Aber da muss man ja auch nicht hin.

Die Mädels in Moskau sind knapp bekleidet
Das gilt vor allem für das Nachtleben: Falls ihr (also die Mädels unter euch) ein Party-Outfit habt, das ihr für ziemlich gewagt und sexy haltet: Ist es nicht! Nicht in Moskau!! Ihr werdet euch im Club wie eine Klosterschülerin fühlen. Während in Westeuropa ja die eher die Faustregel gilt ENTWEDER oben rum knapp ODER unten rum, heißt es in Moskau: So wenig Stoff wie möglich. In Kombination mit den dünnsten und höchsten Absätzen, die es gibt. Die werden wie schon erwähnt gern auch beim Spaziergang im Park getragen. Und auch bei Schnee und Eis. So viel Anpassungswillen hatte ich dann letztendlich doch nicht…Auch tagsüber im Museum wird man sich hin und wieder nicht entscheiden können, ob man jetzt über die Exponate oder die Kleidung der weiblichen Besucher stauen soll. Aber andersherum geht es den meisten Russinnen wahrscheinlich genauso. Ich habe mal eine Russin kennengelernt, die sich ständig fragte, warum die deutschen Frauen sich nicht anzögen wie Frauen. Andere Länder andere Sitten halt.

Moskau ist groß und hässlich
Also groß ist die Stadt ohne Zweifel. Aber auch wenn Moskau keine von diesen Städten ist, die an jeder beliebigen Ecke ganz bezaubernd aussehen, gibt es doch beeindruckend schöne Plätze. Auch beeindruckend hässliche, keine Frage. Aber der Gegensatz von schön und schäbig, alt und neu oder idyllisch und hektisch macht ja auch den Reiz von vielen Großstädten aus –  wie New York zum Beispiel oder Berlin. Moskau kann so aussehen…

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aber auch so…

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Als Gesamteindruck ist bei mir vor allem „beeindruckend“ geblieben. Und schöner als ich erwartet habe, aber das hatten wir ja schon.

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4 Gedanken zu “Richtig oder falsch? 5 Klischees über Moskau im Test

  1. Klasse-Zusammenstellung, habe beim Lesen mehrmals laut gelacht 😉 Aber wie es mit dem Visum und der Registrierung vor Ort als Individualreisender? Habe nämlich gehört, dass sich nach Ankunft innerhalb von 3 Tagen registrieren muss – wenn man denn länger als 3 Tage an einem Ort bleibt. Was ist aber, wenn man sofort weiterfährt (und zwar mit der Transsib) und anschließend nirgends länger als eine Nacht übernachtet? Braucht man sich dann gar nicht zu registrieren?

    LG,
    Britta

    • Liebe Britta,
      vielen Dank! Ich habe mein Visum über ein Reisebüro in Hamburg beantragt, dadurch hatte ich eine offizielle Einladung, die man für das Visum braucht. Registrieren musste ich mich vor Ort dann nicht mehr. Soweit ich das richtig recherchiert habe, ist es nahezu unmöglich, ohne Reisebüro (oder Veranstalter) ein Visum zu bekommen. Es ist recht teuer (mit Bearbeitungsgebühr des Reisebüros ca. 100 €) aber in meinem Fall hat wirklich alles reibungslos funktioniert. Falls du einen Kontakt in Hamburg gebrauchen kannst: Ich war bei Baltic Travel (http://www.baltictravel.de), die waren sehr nett und kompetent. Bestimmt können die dir auch mit deiner Frage bezüglich der Weiterreise weiter helfen, damit kenne ich mich leider gar nicht aus…
      LG
      Verena

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