Gelesen: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

P1020047Ich habe ein paar Lieblings-Autoren, denen ich blind vertraue, was den zu erwartenden Lese-Genuss betrifft. Will heißen: Ein Buch unabhängig vom Klappentext zu kaufen und zu wissen, dass es gut sein wird, selbst wenn mich die Handlung eigentlich nicht anspricht. Haruki Murakami ist einer von diesen Autoren. Bei seinem neuesten Buch „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ klang die Geschichte für mich allerdings schon vor dem Lesen ziemlich gut:  Der 36-jährige Tsukuru Tazaki führt ein etwas tristes, einsames Leben als Bahnhofs-Konstrukteur, ist aber eigentlich ganz zufrieden. Tiefere zwischenmenschliche Beziehungen gibt es für ihn nicht, bis er Sara kennen lernt. Seine neue Freundin spürt, dass er etwas aus der Vergangenheit mit sich schleppt und so erzählt er ihr, was er als sehr junger Mann erlebt hat. Er war in der Schulzeit Teil einer eingeschworenen Clique, die neben ihm aus zwei weiteren Jungen und zwei Mädchen bestand. Alle in der Gruppe tragen eine Farbe im Namen, außer ihm. Und ebenfalls alle außer ihm bleiben nach dem Schulabschluss in ihrer Heimatstadt Nagoya, während er nach Tokio geht um zu studieren.

Als der zwanzigjährige Tsukuru in den Ferien zurück nach Nagoya fährt und sich auf seine Freunde freut, muss er feststellen, dass diese ihn plötzlich schneiden. Er erfährt keinen Grund und kann keinen der vier anderen zur Rede stellen. Tsukuru fährt enttäuscht zurück nach Tokio, verfällt in eine tiefe Depression, aus der er sich nur langsam erholt und erzählt lange Zeit niemandem von dem Vorfall. Sara kann nicht verstehen, dass er 16 Jahre lang nie versucht hat, eine Begründung für den Bruch herauszufinden und überzeugt ihn davon, seine vier ehemaligen Freunde zu suchen und mit ihnen zu sprechen. Und so macht der farblose Herr Tazaki sich auf seine Titel gebende Pilgerreise.

Die  Reise in Tsukurus Vergangenheit und an verschiedene Orte der Welt ist so spannend, dass man den Roman nur schlecht aus der Hand legen kann. Anders als die letzen Bücher von Murakami spielen Zwischen- und Fantasiewelten in diesem Buch keine Rolle, was mir persönlich sehr gefallen hat. Die Geschichte ist teilweise sehr melancholisch und der Einzelgänger Tsukuru ist mir schon nach wenigen Zeilen ans Herz gewachsen. Wie in einigen seiner anderen Romane spielt Musik übrigens eine besondere Rolle – hier ist es „le mal du pays“ von Franz Liszt -, so dass man beim Lesen sogar einen Soundtrack hören kann, wenn man möchte. Noch ein Buch, mit dem Haruki Murakami mich nicht enttäuscht hat!

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