Gelesen: Der Circle

Rezension Der Circle von Dave Eggers Die 24-jährige Mae hat ihren Traumjob bekommen: Durch ihre beste Freundin konnte sie eine Stelle bei „The Circle“ ergattern, ein Internet-Unternehmen, das ungefähr so mächtig ist wie alle Googles, Apples und Facebooks dieser Welt zusammen. Und sie ist von Tag eins an begeistert: Die Kollegen sind jung und gebildet, es gibt kostenloses Essen und Fitnessstudios auf dem „Campus“ und regelmäßig werden Parties mit allen Angestellten gefeiert, die eher wie eine große Gruppe Freunde wirken anstatt einer Firma.Mae wird für den Kundenservice eingeteilt und ist hochmotiviert. Durch Firmen-Chats, installierte Kameras und Kundenfeedbacks – die sie auch aktiv einfordern muss  – wird sie bei der Arbeit permanent überwacht und bewertet, was sie nur noch mehr anspornt. In Maes Privatleben geht die Überwachung weiter: In den ersten Wochen sprechen Kollegen und Vorgesetzte sie irritiert darauf an, dass sie ihre Freizeitaktivitäten und Hobbies nicht online teilt, denn schließlich könnten ja andere von ihrem Wissen und ihren Tipps profitieren. Mae tut alles, um das schnellstens zu ändern und durch diverse Statusmeldungen, Feedbacks und Preisgabe von Informationen im internen Ranking des Circles aufzusteigen. Dass das den Alltag schnell ziemlich stressig macht, liegt nahe. Auch ihre Aktivitäten außerhalb des Campus werden kritisch beäugt – warum sollte sie das Mae das Firmengelände verlassen, wenn es alles kostenlos vor Ort gibt? Und so beginnt sie, die Möglichkeit zu nutzen, auf dem Campus zu wohnen.

Die Mission des Konzerns, alles Private öffentlich zu machen, um so eine bessere Welt zu schaffen, unterstützt Mae voll und ganz.  Eine der Innovationen der Firma ist etwa das Projekt SeeChange, kleine überall aufstellbare Kameras, die es ermöglichen, Orte auf der ganzen Welt zu beobachten und zu überwachen. „Sharing is caring“ oder „secrets are lies“ sind die Mantras der Angestellten – und bald auch der Fans außerhalb des Circles. Dass Maes Ex-Freund und ihre Eltern die Mission und das Vorgehen ihres Arbeitgebers nicht gutheißen, kann sie überhaupt nicht verstehen. Selbst die Aktionen des Konzerns, die eigentlich Haarsträubend sind, lassen Mae nur kurz ins Stocken kommen. Das Einzige, was sie ein wenig aus dem Konzept bringt, ist ein charismatischer Mann, der unregelmäßig auf dem Campus erscheint, sich als Mitarbeiter ausgibt aber in keinem Online-Verzeichnis zu finden ist.

Auch wenn ich beim Lesen geglaubt habe, das Ende sei vorhersehbar und ich wisse, wie alles kommt, lag ich völlig falsch. Ich weiß, ich habe das hier schon öfter mal geschrieben, aber den Schluss fand ich wirklich überraschend. Der Circle von Dave Eggers macht streckenweise ordentlich einen auf „1984“ und kann da einfach nicht mithalten. Außerdem fand ich die Protagonistin oft unglaubwürdig – dass sie von dem Konzern und seinen Ideen begeistert ist und Teil der coolen „Firmenfamilie“ sein will: ok. Aber dass sie sich auch von eher, naja, fragwürdigeren Projekten überzeugen lässt und kaum reflektiert: ich weiß ja nicht! Trotzdem fand ich das Buch spannend und einen echten Schmöker. Und wie gesagt, das Ende…

 

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11 Gedanken zu “Gelesen: Der Circle

  1. Das Buch steht auf meinem Geburtstags-Wunschzettel; ich hoffe, ich bekomme es – bin schon ganz gespannt darauf es zu lesen und hoffe, es ist mehr als Huxleys »Schöne neue Welt« reloaded …

    Wünsche noch einen schönen 1. Blogger Kommentiertag Deutschland!

    LG Silke

    • Hallo Janine,
      nein, das fand ich doch alles ein wenig zu krass. Das Unternehmen „Der Circle“ klingt auf den ersten Blick wie ein toller Arbeitgeber – und viele Aspekte sind ja auch super – aber ich mag dann doch ein separates Privatleben sehr gern!
      Liebe Grüße
      Verena

  2. Hey 🙂 das klingt echt ganz gut eigentlich! Bei solchen Bestsellern bin ich immer eher abgeneigt, meistens gibt es was, was mir nicht passt… Aber an The Circle werde ich mich wohl rantrauen! Schöner Blog 🙂
    Grüße aus Hamburg,
    Emily

    • Ja, mir geht es ehrlich gesagt auch oft so! Bei diesem Buch fand ich die Handlung tatsächlich mal spannend genug, um meine Vorteile zu überwinden :-).
      Und vielen Dank, schön, dass dir mein Blog gefällt!
      Liebe Grüße
      Verena

  3. Ich bin total begeistert von dem Buch. Besonders überzeugend fand ich die „Gehirnwäache“-Unterhaltungen der Protagonistin mit ihrem Chef. Danach habe ich ihr jede noch so absurde Handlung geglaubt ;).
    Liebe Grüße
    Maike

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