Gelesen: Das achte Leben (für Brilka)

Buchtipp Das achte Leben

Rund 100 Jahre georgische Geschichte und sechs Generationen: Im Roman Das Achte Leben (Für Brilka) erzählt Nino Haratschwili eine packende Familien-Saga, die im Jahr 1900 beginnt und bis in die Gegenwart reicht.

Der Roman wird aus Sicht verschiedener Mitglieder der Familie Jaschi erzählt und beginnt mit einem wohlhabenden Schokoladenfabrikanten, der auf einen Sohn hoffend eine Tochter nach der anderen bekommt. Eine von ihnen ist die eigenwillige Stasia, die ihrem Mann in der Armee durch das ganze Land hinterher reist, dazu neigt, sich mit den „falschen“ Leuten anzufreunden und einen Hang zum Übersinnlichen entwickelt. Ihre Schwester Christine ist atemberaubend schön, was ihr viele Vorteile verschafft und gleichzeitig zum Verhängnis wird.

In der nächsten Generation wird die Geschichte weiter von Stasias Kindern Kostja und Kitty erzählt, die unterschiedlicher nicht sein könnten – während der linientreue, ehrgeizige Kostja sich in der Partei hocharbeitet, wird Kitty ungeplant zur Rebellin, politisch verfolgt und muss nach furchtbaren Erlebnissen ins Exil. Ironischerweise ist sie das große Ideal von Kostjas Tochter Elene, die auf etwas ungewöhnliche Weise versucht, sich gegen den Vater aufzulehnen. Schließlich übernimmt Elenes Tochter Niza die Rolle der Erzählerin, die den Familien-Epos für ihre zwölfjährige, gerade ausgebüchste Nichte Brilka zusammenfasst.

Und noch einen Protagonisten gibt es: Eine überirdisch leckere Schokolade, die kurzfristig zum großen Glück und Vergessen allen Übels führt – aber die Menschen, die sie probieren, ins Unglück zu stürzen scheint. Verständlich, dass das Rezept, das nur wenige Mitglieder der Familie Jaschi kennen, top secret ist.

Nino Haratschwili verwebt gekonnt die „Fäden“ der Familienmitglieder zu einem dichten, bunten Teppich und schildert so nicht nur das Schicksal der Jaschis sondern bringt einem auch die georgische und sowjetische Geschichte näher.  Streckenweise hat mich der Roman durch verschiedene Elemente ein wenig an Das Geisterhaus und die Buddenbrooks erinnert, er wirkt aber in keiner Form abgekupfert. Und die wundervolle Sprache der Autorin hat mich völlig begeistert!

Nachdem ich mich eine ganze Zeit lang von der Dicke des Romans habe abschrecken lassen, hat er nun direkt zum Anfang des Jahres die Messlatte für Bücher in diesem Jahr ganz schön hoch gesetzt. Mein Tipp: Besorgt euch dieses Buch und ihr werdet stauen, wie schnell und kurzweilig sich 1.300 Seiten lesen lassen! Unbedingt lesen!

 

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3 Gedanken zu “Gelesen: Das achte Leben (für Brilka)

  1. Pingback: Frühlings-Special: 5 Cafés in Hamburg zum Sonne-Genießen | Fräulein Immerglück

  2. Zunächst dachte ich, interessant das Buch, aber über 1300 Seiten…! Dann habe ich es mir doch geholt und mit dem Schmökern begonnen. Nachdem ich mich anfangs mit dem Sprachrhythmus etwas schwer getan habe, ließ mich das Buch nicht mehr los. Es macht einfach süchtig. Jede freie Minute nahm ich den Wälzer in die Hand! Jeder, der sich für russische, georgische – was sag ich- Geschichte überhaupt interessiert, MUSS dieses Buch lesen. Ich würde es vergleichen mit Gabriel Garcia Marquez: 100 Jahre Einsamkeit und Leo N. Tolstoi: Krieg und Frieden. Kaum zu glauben, dass die Autorin erst 31 Jahre ist!
    Das war ein wirklich guter Tipp! Bin gespannt auf weitere Empfehlungen von Dir!

    • Mir ging es ganz genauso! Und du hast Recht, es gibt wirklich viele Parallelen zu den großen Klassikern. Ich musste außerdem noch häufiger an Das Geisterhaus von Isabel Allende denken (die übersinnliche Komponente, die zentrale Rolle des Wohnhauses) und Die Buddenbrooks von Mann (Untergang einer Familie und so) denken. Ich habe gerade zwei grandiose Debüt-Romane über bzw. in und um Hamburg gelesen, mal schauen, welchen ich davon zuerst hier vorstelle :-).

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