Gelesen: Die Glücklichen

Die Glücklichen1Isabell und Georg sind Mitte dreißig und leben mit ihrem kleinen Sohn Matti in einer schönen Altbauwohnung mitten in Hamburg, umgeben von Bio-Läden und Geschäften, die Begriffe wie „Manufaktur“  im Namen haben und unverschämt teuer sind. Auf den ersten Blick scheint es ihnen gut zu gehen – aber es bröckelt an ihrem Szeneviertel-Großstadtleben, das das Paar so liebt.

GROSSTADT-IDYLLE AM WACKELN
Es beginnt mit einem Zittern in Isabells Arm – für die Cellistin, die in einem Musical spielt, eine drohende Katastrophe. Ihre Angst, nicht mehr spielen zu können und langfristig ihren Job zu verlieren, ergreift zunehmend von ihr Besitz und beeinflusst schließlich ihren kompletten Alltag. Auch für den Journalisten Georg läuft es beruflich nicht gut: Das Gerücht ist im Umlauf, dass der Verlag, für den er tätig ist, verkauft werden soll.

WAS BRAUCHT ES ZUM GLÜCK?
Auch wenn man es den beiden wirklich nicht wünscht, bewahrheiten sich die Befürchtungen der beiden Protagonisten: Isabell lässt sich krank schreiben, weil sie sich zunehmend von den Kollegen im Orchester beobachtet fühlt und mit der ständigen Furcht, ihr Zittern könne auffliegen oder gar schlimmer werden, nicht mehr leben kann. An ihren Arbeitsplatz – man ahnt es schon – kommt sie nicht mehr zurück. Georg verliert seinen Job im Verlag und es beginnt ein zermürbender Bewerbungsmarathon, der ihn vor die Frage stellt, was ihm wirklich wichtig ist, um glücklich sein zu können.

Mit ihrer unsicheren Situation und den Existenzsorgen gehen Isabell und Georg völlig unterschiedlich um, was zu deutlichen Spannungen führt. Sie versucht, sich mit teuren Einkäufen und „Belohnungen“ über die Lage hinweg zu trösten, in der vagen Hoffnung, dass es alles schon wieder werden wird. Er überlegt, ob nicht auch Alternativen zum Großstadtleben mitten im gentrifizierten Hamburg möglich wären. Was beide neben der Angst vor dem finanziellen Abgrund teilen, ist die Furcht, in den Augen „der Anderen“ nicht mehr gut dazustehen, nicht mehr als „Die Glücklichen“ wahrgenommen zu werden, als die sie sich vor kurzer Zeit noch gesehen haben.

WEITERER PROTAGONIST: HAMBURG!
Trotz des bedrückenden Themas ist „Die Glücklichen“ von Kristine Bilkau ein Roman, der sich wirklich gut lesen lässt (noch so ein Buch, das ich in einem Rutsch verschlugen habe!), und der einen öfter zum Nachdenken bringt. Und ein kleines Extra, das mir bei der Lektüre besonders viel Freude gemacht hat: Das Setting in Hamburg und die vielen Dinge, die mir dadurch recht bekannt vorkamen.

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Ein Gedanke zu “Gelesen: Die Glücklichen

  1. Pingback: Gelesen: Altes Land | Fräulein Immerglück

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