Varanasi: faszinierendes Chaos am Ganges

Varansi Tipps Blog-14Egal, ob ich Reiseführer las oder mit Bekannten sprach – überall erfuhr ich, dass Varanasi dreckig sei, chaotisch, schrecklich und morbide. Und ebenfalls überall wurde gleichzeitig mit Begeisterung erzählt, dass diese Stadt eines der Highlights der jeweiligen Reise gewesen und ein Indien-Trip ohne einen Stopp dort unvollständig sei. Wie, bitte schön, passt das denn zusammen?! Fragte ich mich und war so neugierig, dass ich mir selbst einen Eindruck verschaffen musste.

Tja, und ihr werdet vielleicht enttäuscht sein, aber: Es war dreckig, chaotisch und morbide. Und gleichzeitig auf merkwürdige Weise verzaubernd und ein absolutes Highlight der Reise.

MIT WORTEN KAUM ZU BESCHREIBEN
Varansi ist die heiligste Stadt Indiens (und angeblich die älteste der Welt). Hier zu sterben und verbrannt zu werden, bedeutet für gläubige Hindus, dem Kreislauf der Wiedergeburt endlich zu entkommen und ins Nirvana einzugehen. Daher kommen Tausende kranke und alte Menschen in den Ort am Ganges, um dort ihre letzten Tage zu verbringen.

Die Stadt ist schwer in Worte zu fassen und am ehesten vielleicht damit zu beschreiben, dass man die Regeln und (Un-)Ordnung Varansis während eines kurzen Aufenthalts einfach nicht begreifen kann. Das wurde uns direkt nach unserer Ankunft bewusst. Die sich windenden winzigen Gässchen der Altstadt schienen einem Labyrinth nachgebaut worden zu sein und dieses Chaos wurde von den viel zu vielen Menschen, Hunden und Kühen (oh ja, die liefen tatsächlich überall ganz selbstverständlich herum) auf so engem Raum noch unterstrichen.Varansi Tipps Blog-16

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Endlich am Ganges angekommen, fiel wenigstens die Orientierung leichter. Der Eindruck, sich in einer anderen Welt zu bewegen, blieb. Am Flussufer ließen Kinder fröhlich selbstgebastelte Drachen steigen, spielten kleine Jungen Cricket und versuchten lächelnde Menschen uns Blumengirlanden zu verkaufen, aber trotz des geschäftigen Treibens hing eine düstere Stimmung über dem Ganzen. Oder zumindest empfand ich es so; ich möchte nicht ausschließen, dass meine fast schlaflose Nacht im  Zug auf dem Weg nach Varanasi zu diesem Eindruck beitrugen.Varansi Tipps Blog-7

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Am Flussufer entlang trafen die unterschiedlichsten Menschen zusammen: Hindus, die zur Verbrennung von Angehörigen nach Varansi kamen, Einheimische, die mit unermüdlicher Ausdauer ihre Waren Dienstleistungen anboten und junge westliche Aussteiger, die es sich auf den Stufen neben Sadhus bequem machten, verständnisvoll ins Nichts nickten und sehr, ähm, erleuchet wirkten. Um es zusammenzufassen: Die Stadt war eine Explosion an Farben, Eindrücken und, naja, Gerüchen.
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MORBIDE STIMMUNG UND VÖLLIGE REIZÜBERFLUTUNG
Etwas mulmig wurde mir, als es in Richtung der Verbrennungs-Ghats ging, an denen die Toten auf Scheiterhaufen verbrannt werden. Ich überlegte kurz, ob mir das nicht zu viel werden würde. Da ich mir recht sicher war, dass ich mich bei einem Verzicht aber immer fragen würde, wie es denn wohl gewesen wäre, bin ich dann doch weiter gegangen. Es war bedrückend, aber nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte.

Während wir in den anderen Orten Paläste, Burgen und andere Sehenswürdigkeiten besuchten, war die Hauptsehenswürdigkeit in Varansi diese merkwürdige, morbide Stimmung am Fluss, die unvergleichbar war mit allem, was ich bisher so auf Reisen gesehen hatte. Ehrlich gesagt, war ich nach wenigen Stunden völlig reizüberflutet.Varansi Tipps Blog-15

EINE EXPLOSION AN FARBEN
Am nächsten Morgen ging es dann auch direkt anstrengend weiter, denn um fünf Uhr legte unser Boot ab, von dem aus wir uns den Sonnenaufgang anschauen wollten. Und das war wirklich ein Erlebnis. Zunächst konnten wir mitten in der Dunkelheit nur die Umrisse der bizarren Gebäude am Ufer ausmachen. Aber dann ging die Sonne auf und hüllte die Umgebung in ein zartes rosa Licht, die Stadt erwachte langsam und hunderte von Menschen kamen in ihrer bunten Kleidung ans Flussufer, um sich den rituellen Waschungen zu widmen und Yoga am Ganges zu praktizieren. Ein absolutes Erlebnis, das mit dem gewissen Abstand vom Wasser aus nicht ganz so überwältigend war wie an Land.Varansi Tipps Blog-9

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Varanasi - 1 (1)Gegen Nachmittag machten wir uns auf in Richtung Bahnhof. Ich war froh, dass wir den Stopp in Varansi direkt  für den Anfang geplant hatten, denn für mich stand fest: Jetzt kann es eigentlich nur einfacher werden. Ob das sich das bestätigt hat? Lest ihr im nächsten Indien-Blogpost…

Meine Tipps für Varanasi:

  • Nehmt ein paar alte Schuhe mit (ausrangierte Jogging-Schuhe sind ideal), die nach der Reise prinzipiell auch weg können. Ihr wollt teilweise einfach nicht wissen, wo ihr damit so rein tretet.
  • Verwendet ein wenig Zeit für die Recherche nach einem schönen und vor allem ruhigen Hostel, in das ihr euch für ein paar Ruhepausen zurück ziehen könnt und das Chaos am Ganges Chaos lassen sein könnt.
  • An den Krematorien-Ghats lasst um Himmels Willen eure Kamera in der Tasche. Dort darf man nicht fotografieren, und sich daran zu halten, versteht sich eigentlich auch von selbst. Wir hatten brav die Kappe auf die Kamera gesetzt, leider hat das einen sehr unangenehmen Menschen nicht davon abgehalten, uns unerlaubtes Fotografieren zu unterstellen. Er ist uns einige Zeit hinter her gelaufen und wollte Geld haben, hat uns aufs Übelste beschimpft und zum Schluss versucht anzuspucken, weil wir nichts bezahlt haben. Also: Schön die Kamera verstecken!
  • Versucht, auf den „Alles-ist-anders-Modus“ umzuswitchen und euch im Vorfeld so gut es geht vorzubereiten (ich kann das Buch Kulturschock Indien sehr empfehlen).
  • Macht unbedingt eine Bootsfahrt auf dem Ganges zum Sonnenaufgang! Ihr werdet die Stadt in einer unvergleichlichen Stimmung erleben!

HOTEL TIPP
Das Ganpati Guest House ist ein sehr charmantes Hostel, das mitten im Chaos der Altstadt liegt. Auf dem Weg dorthin war ich überzeugt, den Weg zurück niemals wieder zu finden, aber auf wundersame Weise hat es dann doch geklappt. Die Zimmer sind sauber und mit modernen Badezimmern ausgestattet (was für eine Wohltat nach dem Nachtzug!!) und das absolute Highlight ist der Blick auf die Stadt und den Ganges von der Dachterrasse. Dort haben wir auch zu Abend gegessen – für die Restaurantsuche war ich schlichtweg zu überfordert.

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2 Gedanken zu “Varanasi: faszinierendes Chaos am Ganges

  1. Wunderbar, Deine Bilder und Dein Bericht!
    Mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit werde ich Indien nicht bereisen. Doch durch Deine lebhaften und eindrucksvollen Beschreibungen habe ich fast das Gefühl, selbst dort gewesen zu sein.
    Vor einiger Zeit war ich in China, dort waren die „Düfte“ gewöhnungsbedürftig“. Ich habe gehört, dass Indien in diesem Punkt China toppt! Stimmt das?

    • Vielen Dank, es freut mich sehr, dass dir der Post so gut gefällt! Die Düfte in Indien waren ehrlich gesagt noch eine ganze Ecke intensiver und allgegenwärtiger als in Chin a, wo ich mich auch schon über die eine oder andere Geruchsexplosion gewundert habe. Aber durch die vielen schönen Farben und einige auch sehr angenehme Gerüche (das Essen!) waren meine Sinne dann wieder versöhnt 😉

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