Buch-Tipp: Als Hemingway mich liebte von Naomi Wood

Als Hemingway mich liebte_finalDass Ernest Hemingway ein ziemlicher Womanizer gewesen sein muss, davon hat man ja hier und da schon mal gehört. Seine Ehen hielten nie besonders lang, insgesamt machte er vier Damen zu „Mrs. Hemingway“. Im neuen Roman „Als Hemingway mich liebte“ lässt Naomi Wood die vier Ehefrauen nacheinander zu Wort kommen und erzählt die Geschichte aus ihrer Perspektive. Was alle (außer der letzten) von ihnen gemeinsam haben: Stets war bereits eine neue Frau im Spiel, als sich die jeweils bestehende Beziehung auflöste.

EIN GLÜCK VON KURZER DAUER: DIE EHE MIT ERNEST
Der Roman beginnt an der Côte d‘ Azur in den 1920-ern. Hadley ahnt bereits, dass ihre Ehe in Gefahr ist, denn Ernest flirtet aufs Heftigste mit ihrer reichen und extravaganten Freundin Pauline. Womit sie nicht rechnet: Dass sie ihr tatsächlich den Mann ausspannen und die nächste Mrs. Hemingway werden wird. Wer die Biographie Hemingways kennt (und den Klappentext und diesen Blogpost gelesen hat), weiß allerdings, dass auch Pauline nicht auf Dauer mit dem Schriftsteller glücklich wird.

VON SÜDFRANKREICH ÜBER FLORIDA NACH KUBA UND AN DIE KRISENHERDE EUROPAS
In den folgenden Kapiteln wechselt die Erzählperspektive: Der Leser erfährt, wie die mondäne Pauline – mittlerweile Mutter der zwei Kinder von Ernest – außer sich ist vor Wut und Eifersucht, als die blutjunge Nachwuchsjournalistin Martha in ihrem Leben auftaucht und sich als ernstzunehmende Konkurrenz entpuppt. Man erfährt, wie die inzwischen erfolgreiche Kriegsreporterin Martha sich schließlich auf die Ehe mit Hemingway eingelassen hat. Doch das ruhige Leben im Anwesen in Kuba macht sie wahnsinnig (ebenso wie Ernest), es zieht die unabhängige Frau an die Krisenherde Europas. Dort kreuzt ihr Weg immer wieder den von Ernest, der ebenfalls als Journalist unterwegs ist und eher Konkurrent statt Ehemann zu sein scheint. Beinahe scheint Martha erleichtert, als sie in London vom Verhältnis ihres Mannes mit der verheirateten Journalistin Mary erfährt. Diese wird die letzte Ehefrau des Autors – bis sich Hemingway im Jahr 1961 in Idaho erschießt.

VIER GANZ UNTERSCHIEDLICHE FRAUEN
„Als Hemingway mich liebte“ ist nicht nur die Geschichte über Hemingways private Liebesbiographie. Es ist ein Roman über vier außergewöhnliche und ganz unterschiedliche Frauen. Naomi Wood erschafft in diesem wundervollen Buch vier glaubwürdige und dreidimensionale Protagonistinnen. Und was der jungen Autorin dabei auf verblüffende Weise gelungen ist: Die jeweils neue Frau am Horizont, die zunächst einmal die unsympathische Dritte ist, wird in „ihrem“ Kapitel zum Leben erweckt, so dass man schließlich mit ihr mitfühlt und mitleidet. Ich habe dennoch eine Lieblings-Protagonistin, welche das ist, verrate ich an dieser Stelle aber nicht – ihr sollt ja schließlich unbefangen alle vier Ladies kennen lernen.

SUCHTPOTENZIAL: HOCH
Besonders charmant fand ich die Tatsache, dass der Roman durch ein Stück literarische Geschichte führt. Die Autorin hat ausgiebig in Briefen und Biographien recherchiert, und so trifft man im Laufe des Romans beispielsweise immer mal wieder auf alte Bekannte wie die Hemingways, mit denen Ernest gut befreundet war. Wer danach süchtig nach mehr Lesestoff zu dem interessanten Schriftsteller ist, der findet am Ende des Buches eine Übersicht mit weiteren Romanen und Sachbüchern, die sich mit dem Leben Hemingways beschäftigen. Sein Buch „Paris. Ein Fest fürs Leben“ ist auch darunter, das ich vor ein paar Jahren begeistert verschlungen habe, aber sicherlich komme ich noch auf das eine oder andere ungelesene Buch aus der Empfehlungsliste zurück, dieser Hemingway war nämlich ein ziemlich interessanter Typ.

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2 Gedanken zu “Buch-Tipp: Als Hemingway mich liebte von Naomi Wood

  1. Pingback: Der Mythos Hemingway. Aus der Sicht starker Frauen. | Klappentexterin

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